Verkehrsinfarkt verhindern! 

Wie ist die Gefahr entstanden?

Problem Kurz&Knapp

Inhalt "Problem"

  • Verkehrsentwicklung in Regensburg
  • Die autofreundliche Stadt
  • Das Regensburger Verkehrsproblem
  • Kommt der Verkehrskollaps?
  • Wachstum
  • Klimaschutz



Dieser Abschnitt erklärt, wie in Regensburg Mobilität entstanden ist und sich daraus ein Verkehrsproblem ergeben hat. 

Er zeigt auch, welche Hindernisse unsere Mobilität in den nächsten Jahren und Jahrzehnten überwinden muss.

Verkehrsentwicklung in Regensburg


Die Mobilität in Regensburg hat sich im 20. Jahrhundert grundlegend geändert. Durch die verschiedenen Eingemeindungen vergrößerte sich das Stadtgebiet sehr stark und der Bedarf nach Mobilität stieg in gleichem Maße an. Die Erfindung des Automobils und die beginnende Elektrifizierung waren dazu geeignet, diesen Bedarf zu decken.

 

Nur war das Automobil lange Zeit für den Normalbürger unerschwinglich. Bis 1950 gab es in Regensburg gerade mal 2257 Pkws, noch weniger als Motorräder. Dadurch kam dem ÖPNV - vor allem in der ersten Hälfte des Jahrhunderts - eine tragende Bedeutung zu.

 

1903 wurde in Regensburg die Straßenbahn mit zwei Linien eingeführt und das Netz bis Mitte der 1930er Jahre auf vier Linien erweitert. Zu dieser Zeit kamen die ersten regulären Omnibuslinien auf. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Omnibusliniennetz kontinuier-lich ausgebaut und der Bus verdrängte bis 1964 die Straßenbahn. Er war ihr in Geschwindig-keit und Flexibilität weit überlegen.

Aber vor allem der motorisierte Individualverkehr stieg ab 1950 über allen Maßen an. Dank des Wirtschaftswunders konnten sich immer mehr Bürger ein eigenes Fahrzeug leisten. Zwischen 1950 und 2000 verdreizehnfachte sich der Fahrzeugbestand in Regensburg, dabei in erster Linie die Zahl der Pkws. Mit dieser Entwicklung einher ging eine autofreundliche Stadtplanung, die vor allem ab Anfang der 1960er Jahre den konsequenten Ausbau und die Erweiterung des Straßennetzes vorsah. Bis Mitte der 1970er Jahre wurde dem Automobil rücksichtslos den Weg geebnet. Erst dann fand nach und nach ein Umdenken statt.

 

Mit dem Anschluss an zwei Autobahnen, der Wiedervereinigung und der Öffnung des Eisernen Vorhangs verlor Regensburg Anfang der 1990er Jahre seine unbedeutende und versteckte Lage "unten rechts an der tschechischen Grenze". Die Stadt war plötzlich im Schnittpunkt politischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Diese Entwicklung und die Ansiedlung wichtiger großer Firmen ließen das Verkehrsaufkommen nahezu ungebremst anwachsen. Der Ausbau des ÖPNV konnte damit kaum schritthalten. Die letzte einschneidende Veränderung des Busliniennetzes fand 1995 statt.

 

Regensburg ist spätestens seit der Gründung der Universität 1962 eine sehr verkehrsreiche Stadt geworden, mit einem zu hohen Anteil an motorisiertem Individualverkehr und einem zu geringen Anteil an ÖPNV und Fahrradverkehr.

Die autofreundliche Stadt

 
Um die Übermacht des Individualverkehrs in der Gegenwart begreifen zu können, ist es wichtig, einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit zu wagen. 

Wenn man im autofreundlichen Regensburg der 1960er und 1970er Jahre aufgewachsen ist, kann man sich noch gut an die Zeiten erinnern, wo man auch in der Innenstadt mit dem Auto bis ins letzte Eck fahren konnte. Heute kaum vorstellbar, war es damals möglich, über die Vier-Eimer-Gasse zu fahren, durch die Untere Bachgasse, die Königsstraße oder die Brückstraße, um nur vier Beispiele zu nennen. Gerade in den 60ern gab es zahlreiche Pläne, die Altstadt aufzureißen und mit überbreiten Autotrassen zu versehen. Innerer Ring, äußerer Ring, Nord-Süd-Achse, Bayerwaldbrücke...man bekam das Gefühl, vermittelt, dass der Stadt-kern keinen Wert hatte, im Weg stand und am besten beseitigt werden sollte. 

Damals vertrat man die Meinung, dass sich Handel und Wirtschaft im Zentrum abspielen müssen, während der Stadtrand für Wohnen und Erholung zu sorgen hatte. Beides musste mit breiten Straßen verbunden werden, um das Stadtleben aufrechtzuerhalten. Viele vorbereitende Abrisse wurden damals schon getätigt und breite Trassen für spätere Projekte gelegt. Man kann es heute noch an der einen oder anderen Stelle erkennen.  

Obwohl spätestens seit Mitte der 70er Jahre diese Lehrmeinung überholt ist, ist es bislang noch nicht gelungen, das Auto etwas aus unseren Köpfen zu bringen. Kindheit und Jugend sind prägend und deshalb tun wir uns heute so schwer, verkehrsmäßig umzudenken und die Bedeutung des Autos ein wenig zu hinterfragen.

  

Quelle: Stadt Regensburg

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

Das Regensburger Verkehrsproblem

Seit der Jahrtausendwende hat sich die Verkehrssituation in Regensburg verschärft. Immer mehr Einpendler belasten den Straßenverkehr zusätzlich. Die Einpendlerquote von 61,1 % ist ein Spitzenwert unter den Großstädten bundesweit. 

 

In Stoßzeiten kommt das Verkehrsaufkommen bereits an seine Grenzen und diverse Baustellen in den Sommerferien 2023 haben gezeigt, dass in solchen Ausnahmefällen der Verkehr punktuell zum Erliegen kommt. Dass diese Ausnahmefälle zum Dauerproblem werden, ist vorprogrammiert. Ca. 2027 soll die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels beginnen, die wohl deutlich über 10 Jahre in Anspruch nehmen wird. Im Anschluss steht der Neubau der Pfaffensteiner Brücke an, so dass für beide Maßnahmen zusammen 20 Jahre wohl nicht übertrieben sind. Das entspricht einem Zeithorizont von etwa 2027 bis 2050. In diesen Horizont fällt auch der Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke, der zusammen mit dem sechsspurigen Ausbau der A3 bis Nittendorf die 2030er Jahre im Bereich des westlichen Stadtrands beherrschen dürfte.

 

Selbst bei straffester Planung und ohne weitere Hindernisse und Verzögerungen ist ein Ende all dieser Baumaßnahmen vor 2040 vollkommen illusorisch. Viele von uns werden wohl ihren Abschluss nicht mehr erleben. 

 

Das Verkehrsaufkommen in Regensburg wächst unaufhörlich, aber das Stadtgebiet hat sich seit 1978 kaum vergrößert. Das allein führt schon zwangsläufig zu einer immer problematischer werdenden Verkehrssituation, denn irgendwann geht einfach der Platz aus, er steht nicht unbegrenzt zur Verfügung. Hinzu kommen die oben beschriebenen Dauerbaustellen, die den Verkehr dauerhaft zusätzlich belasten werden.

  

Den ÖPNV dabei als echte Alternative einzubeziehen, ist im Moment nicht uneingeschränkt möglich, denn ihm fehlt es an Attraktivität und Leistungsfähigkeit. Wie sonst ist es erklärbar, dass der dringend erforderliche Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel so gut wie gar nicht stattfindet? Wenn man mit dem Bus dreimal so lange braucht, wie mit dem Auto, ist es, auf Busse und Bahnen umzusteigen. Trotzdem muss man sich vor Augen führen, dass die meisten von uns zweimal am Tag für eine kurze Zeit ihr Auto bewegen, welches dann den Rest des Tages stillsteht und Platz in Anspruch nimmt. Das ist alles andere als wirtschaftlich und umweltverträglich.

 

Es sind mehrere Faktoren, die zu einem Verkehrsproblem führen, das uns viele Jahre - wenn nicht Jahrzehnte - beschäftigen wird und ungelöst zum Verkehrskollaps führen dürfte: 

 -    stetiges Wachstum, 

-     die Attraktivität des Standortes Regensburg, 

-     ein ÖPNV, der bereits an seine Grenzen stößt und daher für die meisten keine attraktive          Alternative zum Auto darstellt und schließlich
 -    unvermeidbare Erhaltungs- und Neubaumaßnahmen in der Verkehrsinfrastruktur.

 

Wer hier keinen dringenden Handlungsbedarf sieht, der verschließt die Augen vor der Realität oder ergibt sich in Gleichgültigkeit. In beiden Fällen entzieht er sich damit der Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber.

Quelle: https://www.pendleratlas.de/bayern/regensburg/


Die Einpendlerquote von 61,1 % ist ein Spitzenwert unter den Großstädten
bundesweit. Wenn sich die Verkehrssituation in und um Regensburg weiter
verschlechtert, ist dies auch ein negativer Standortfaktor für unsere Stadt.

 

Kommt der Verkehrskollaps?

Dieses Verkehrsproblem zu lösen, ist eine der dringlichsten Aufgaben, die unsere Stadt derzeit beschäftigt und noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Diese Entwicklung zeichnet sich auch schon viele Jahre ab. Spätestens Anfang der Nullerjahre wurde erkannt, dass wir auf ein Problem zulaufen, bei dessen Lösung der ÖPNV mit einbezogen werden muss. 

 

Aber wie löst man so ein Problem, das nicht vom einen auf den anderen Tag greifbar und begreifbar ist, sondern das sich erst mit den Jahren und eher langsam abzeichnet? Auch als Laie dürfte einem folgender Sachverhalt klar sein: droht ein Fass überzulaufen, braucht man entweder ein größeres Fass oder muss den Zufluss bremsen oder gar stoppen. Übersetzt heißt das: damit die Stadt nicht vor Autos überquillt, muss man entweder das Stadtgebiet vergrößern bzw. die Verkehrswege (die Straßen) verbreitern oder eben die Verkehrsmenge regulieren: den Anstieg des Individualverkehrs, also die Zahl der fahrenden Fahrzeuge, bremsen oder gar reduzieren. Aus verständlichen Gründen scheidet die erste Option aus.  

 

Die Lösung kann also nur über die Beschneidung des Individualverkehrs gehen. Warum gerade der? Weil er den meisten Platz in Anspruch nimmt - meist unnötig viel, sitzt in den aller meisten Autos doch nur eine Person. So entsprechen 300 Personen mit Beförderungs-bedarf etwa 200 bis 250 Autos, aber nur 3 bis 4 Bussen oder einem Stadtbahnzug. Hier ist sehr viel Luft für Platzoptimierung.

 

Aber nur zu verlangen, dass der Individualverkehr beschnitten wird, reicht nicht aus, denn viele Mobilitätsbedürfnisse lassen sich nicht so einfach unterdrücken. Wir müssen zur Arbeit, einkaufen, zu Ärzten und Behörden und auch die Freizeitgestaltung ist ohne Pkw sehr eingeschränkt. Es müssen daher für möglichst viele der aufgezählten Mobilitäts-bedürfnisse Alternativen gefunden werden. Mit dem Bus zur Arbeit, zu Fuß einkaufen, Freizeitgestaltung mit dem Fahrrad. Nicht immer ganz einfach, aber doch möglich. 

 

Die wichtigste der möglichen Alternativen zum Auto sind die öffentlichen Verkehrsmittel, die „Öffis“. Um viele der Autofahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen, muss dieser allerdings eine echte Alternative darstellen, also leistungsfähiger und attraktiver werden. Im Moment sind die Fahrzeiten von A nach B tendenziell zu lang, die Taktungen zu weit auseinander und der Transportkomfort hat ebenfalls noch Luft nach oben.

 

Die Lösung des Verkehrsproblems, die wohl am vielversprechendsten und am nachhaltig-sten ist, ist die Reduzierung des MIV (motorisierter Individualverkehr) zu Gunsten des Umweltverbunds (ÖPNV + Radfahrer + Fußgänger). Das erfordert den Ausbau des Radweg-netzes und eine signifikante Verbesserung der ÖPNV-Infrastruktur. 

Wachstum


Regensburg hat aktuell über 175.000 Einwohner und wird auch in Zukunft weiter stark wachsen. Im Stadtgebiet sind fast 100.000 Kraftfahrzeuge zugelassen, davon sind über 80 % Autos. Aufgrund steigender Einwohnerzahlen und ebenfalls steigender Pendlerwerte wird der Verkehr weiter zunehmen und sich die Verkehrssituation in Regensburg immer mehr zuspitzen. Es ist eine Vielzahl an Maßnahmen notwendig, um den Verkehr auch langfristig am Fließen zu halten, die Mobilität weiterhin zu gewährleisten und den Verkehrskollaps zu vermeiden.

Quelle: Stadt Regensburg

Klimaschutz


Uns allen ist bewusst, dass etwas gegen den Klimawandel getan werden muss. Sonst fällt die Lebensgrundlage weiterer Generationen weg. Der Transportsektor ist eine der wenigen Sektoren, die ihre CO2-Emissionen in den letzten Jahren kaum reduzieren konnten.
Hier ist die Stadtbahn ein wichtiger Baustein, um einen attraktiven ÖPNV zur Verfügung zu stellen und die Nutzung des eigenen PKWs zu reduzieren.


Quelle: Foto von Olena Bohovyk auf Unsplash

Was meinen die Unternehmen? 

Für 2/3 der Unternehmen ist der Verkehr in Regensburg eine große oder sehr große Belastung. Deshalb brauchen wir leistungsfähige und nachhaltige Verkehrsmittel, um die Verkehrssituation langfristig zu verbessern und unsere Stadt attraktiver zu gestalten.